Typografie ist eine Disziplin voller Traditionen, viele davon sind Jahrhunderte alt. Wer Schrift gestaltet, muss sich dazu ins Verhältnis setzten – die Konventionen befolgen, damit spielen, sie beugen oder gar brechen?
Chris Campe hat lange versucht, alles richtig zu machen. Sie hat mehrere Bücher über Schriftgestaltung veröffentlicht und deren Prinzipien in vielen Workshops vermittelt. Doch irgendwann sah sie ein: Gestaltung wird erst interessant, wenn „richtig“ kein Kriterium mehr ist.
In diesem Vortrag zeigt Chris Campe, warum Offenheit für Zufälle im Design genauso wichtig ist wie Fachwissen. Sie erzählt, warum sie sich nach dem Illustrationsstudium auf Schrift spezialisiert hat, was experimentelles Lettering mit Gendernormen zu tun hat und wie sie zur Demoschild-Influencerin wurde.



(c) Chris Campe

(c) Alexandra Polina
Chris Campe ist Designerin und Autorin in Hamburg, sie arbeitet an der Schnittstelle von Text und Bild, Kunst und Design. Für Verlage, Agenturen und Unternehmen gestaltet sie individuelle Schrift, darunter auch Briefmarken für das Bundesministerium der Finanzen. In ihren freien Arbeiten lotet sie experimentellem Lettering die Grenzen von Schriftkonventionen und Lesbarkeit aus. Sie studierte Illustration an der HAW Hamburg sowie an der École nationale supérieure des Arts Décoratifs in Paris. Anschließend erwarb sie als Fulbright-Stipendiatin ihren Master in Visual and Critical Studies an der School of the Art Institute of Chicago. Chris Campe hat sechs Bücher über Lettering und Schriftgestaltung veröffentlicht, unterrichtet an verschiedenen Hochschulen und spricht international auf Konferenzen. Als Mitbegründerin des Berlin Letters Festivals und Organisatorin des Typostammtisch Hamburg schafft sie Räume für Austausch und Vernetzung in der Designszene.