Österreichisches Grafikdesign

Anita Kern (A)

100 Jahre Designgeschichte in 60 Minuten.

Grafikdesign, visuelle Kommunikation, ist ein massenkulturelles Phänomen. Grafische Gestaltung ist in unserer Umgebung allgegenwärtig. Dennoch denkt die Mehrheit beim Begriff Design an Produktdesign. In Österreich kommt erschwerend hinzu, dass österreichisches Grafikdesign als Teil der Designgeschichte lange nicht umfassend wissenschaftlich aufgearbeitet wurde.  Anita Kern, selbst Gestalterin, schließt mit ihrer wissenschaftlichen und kuratorischen Arbeit eine wichtige Lücke. Ihr Buch »Grafikdesign von der Wiener Moderne bis heute.« erschien 2009 als Katalog zur Ausstellung im MAK in Wien; diese wiederum bezog sich wesentlich auf ihr 2008 erschienenes Buch »Österreichisches Grafikdesign im 20. Jahrhundert«.  Bei näherer Betrachtung des österreichischen Grafikdesign eröffnet sich eine Bühne für die Gesellschaft in ihrem historischen Kontext: Die Plakate der Sezessionisten seit 1898, die eine Art Anfang der österreichischen Grafik überhaupt markieren, die reduzierte und humorvolle Formensprache eines Julius Klinger, der — bevor er von den Nazis deportiert und ermordet wurde — als Pionier der Plakatgestaltung in Deutschland Design-Geschichte schrieb. Die Schriften Othmar Motters aus den 1970ern, aus denen Marken wie Reebok oder Apple gesetzt wurden, die allgegenwärtigen Ikonen des Kapitalismus, Marken und Logos der 1980er — wie die bekannten Zeichen der Wiener Corporate Design-Pioniere Friedrich Eisenmenger und Joey Badian. Die 1990er sehnen sich zurück zur Moderne, wie etwa die schlichte Typografie eines Walter Bohatsch zeigt.  Begann alles mit dem weltbekannten und vielstrapazierten Wiener Jugendstil, findet der sich in den psychedelischen Grafikdesigns der USA der 1960er Jahre wieder; perfekte Brody-Typografie gab es schon in der Gebrauchsgraphik-Klasse Paul Kirnigs im Wien des Dritten Reichs; die 1970er Jahre machen die Nähe Österreichs zum Eisernen Vorhang deutlich: das polnische Grafikdesign hat seine Spuren hinterlassen, die bis heute wirken: prägnante Handschriften — die sich zuletzt weltweit exponentiell verbreitet haben durch einen der wichtigsten Protagonisten österreichischen Designs, Stefan Sagmeister, der Österreich verließ, um von den USA aus zu wirken, genauso wie sein Vorgänger Joseph Binder, der das internationale Grafikdesign mit seiner Lehre von der suggestiven Kraft der Stilisierung bereicherte.  Anita Kerns Arbeiten bieten eine umfangreiche Darstellung der Berufsgeschichte des Grafikdesigns in Österreich seit der vorletzten Jahrhundertwende bis heute. Dabei eröffnen sich historischer Kontext, gesellschaftliche Hintergründe und internationale Verknüpfungen prägender österreichischer Grafikdesigner und ihrer Arbeiten.

Erben – Section N – 1980, Joseph Binder – 1939, Kirnig – 1939
Tino Erben – Section N – 1980, Joseph Binder – 1939, Paul Kirnig – 1939

Anita Kern, geboren 1964 in Wien. Studium Grafikdesign bei Kurt Schwarz und Tino Erben, Werbung bei Walter Lürzer. Doktoratsstudium Kultur- und Geistesgeschichte, Universität für angewandte Kunst Wien. Grafikdesignerin und Art-Directorin in Werbeagenturen und Grafikateliers. Von 1995-2008 Rumpelhuber + Kern in Wien, seit 2008 im Kommunikationsdesign-Büro Kerndesign. Autorin, zuletzt Kuratorin der Ausstellung Grafikdesign von der Wiener Moderne bis heute. Von Kolo Moser bis Stefan Sagmeister, Wien 2009.

Publikationen (Auswahl)

  • Anita Kern, Grafikdesign von der Wiener Moderne bis heute. Von Kolo Moser bis Stefan Sagmeister (gemeinsam mit Bernadette Reinhold), Patrick Werkner (Hg.), Wien New York, 2010; 240 Seiten
  • Anita Kern, Österreichisches Grafikdesign im 20. Jahrhundert, Wien Salzburg München 2008; 560 Seiten
  • Anita Kern, Von der Reklamekunst zum Kommunikationsdesign. Grafikdesign in Österreich im 20. Jahrhundert, Dissertation, Universität für angewandte Kunst Wien, Wien, 2007; 482 Seiten

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