Stadtalphabet Wien

Martin Ulrich Kehrer, Walter Pamminger (A)

»Oberflächen und Texturen, Lichter und Schatten, wechselnde Zustände und Bewegungen: all diese Phänomene, die gewöhnlich bloß in ihre Inhaltsebene verbannt werden, offenbaren diese Schriften an sich selber. Hier wird das voll entwickelte Potential des Buchstabens demonstriert, was dem Lesenden/Betrachter eine Erweiterung der Lektürefähigkeit abverlangt.«

— Dieses Zitat Walter Pammingers aus dem Nachwort zu Martin Ulrich Kehrers Fotobuch »Stadtalphabet Wien« deutet an, welche Welt sich in den oft unscheinbaren Fassadenbeschriftungen und Aushängeschildern einer Stadt öffnet. Kehrers Buch versteht sich als Momentaufnahme eines bestimmten Zustandes und schärft die Wahrnehmung jener Elemente, die so unzählig die Städte bevölkern und die ein integraler Bestandteil dessen sind, was das Konzept Stadt ausmacht: Buchstaben, Schriftzüge, Wortfolgen.  Ohne Anspruch auf Vollständigkeit dient das subjektive Auswahlkriterium der Einzigartigkeit dabei einer Klassifikation der Materialien auf zwei Ebenen: Zum einen dokumentiert »Stadtalphabet Wien« Typografien, die aufgrund ihrer historischen Dimension eine gewisse Alltagspatina aufweisen und insbesondere durch die verwendeten Materialien, die Gestaltung oder den äußeren Zustand bestechen. Es handelt sich um obsolet gewordene und beinahe verloren gegangene Schrift- und Buchstabensysteme, von denen nach Jahren der Verwitterung nur noch Spuren wahrnehmbar sind. Zum anderen nimmt das Fotobuch auch Bezug auf zeitgenössische Tendenzen in der Schriftgebung; formale und material-bezogene Aspekte der Typografie, die vom uniformen Corporate Design multinationaler Handelsketten und billiger Einheitsgestaltung kleiner Handelstreibender Abstand nimmt.  Die Form der Grafik am Gebäude ist natürlich Moden unterworfen. Einige Beschriftungen verschwinden nach und nach oder auch von einem zum anderen Tag aus dem Stadtbild und werden durch neue ersetzt, andere werden wieder entdeckt und gepflegt, da ihnen oft eine starke visuelle Kraft und Einzigartigkeit innewohnt. Dieser ständige Wechsel, das Umbauen und Ausweiten, das Auftauchen und Verschwinden ist nicht nur ein Indiz für eine lebendige Stadt, sondern auch für die Vitalität von Typografie.  WEISSRAUM bringt erstmals den Autor des Buchs und den Verfasser des überaus lesenswerten Nachworts zu einem gemeinsamen Vortrag.

Martin Ulrich Kehrer, 1976 in Linz geboren, Grafikdesigner. Studium an der Kunstuniversität Linz, 2002 Gründung des Grafik- und Designstudios tp3 in Linz (Corporate Design, Buchgestaltung, Illustration, Fotografie). Buch- und Ausstellungsprojekte, darunter die Ausstellung zum Buch »Stadtalphabet — Wien von A bis Z« im Wien Museum (2009).

Walter Pamminger, lebt und arbeitet in Wien als Chemiker, Buchgestalter, Autor und Kurator. Für seine gestalterischen Konzepte erhielt er internationale Preise, u. a. die Silbermedaille »Schönste Bücher aus aller Welt« der Stiftung Buchkunst, 2005.

Publikationen

  • Martin Ulrich Kehrer, Stadtalphabet Wien. Mit einem Nachwort von Walter Pamminger, Sonderzahl, Wien, 2009
  • Walter Pamminger: Exzess des Buches, Institut für Buchkunst, Leipzig, 2008

Weiterführende Links
www.stadtalphabet.at

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