Sichtbares und Unsichtbares

Manfred Alois Mayr (I)

Der Südtiroler Künstler Manfred Alois Mayr thematisiert (Farb-)Räume zwischen Oberfläche und Konstrukt, analysiert Farbexistenzen und Materialkörper formal, geographisch, soziologisch und kulturhistorisch. Wo Grafiker oft vorschnell zu oberflächlichen Dekorationen greifen, zeigen seine Arbeiten, wie eine genaue Auseinandersetzung mit Räumen und ihrer Geschichte andere Zugänge für künstlerisch-gestalterische Lösungen ermöglichen.

Im Fokus seiner Arbeiten stehen ortsspezifische Gegebenheiten, wobei der Raum an sich eine zentrale Rolle einnimmt. Es sind weniger die Kubatur oder das bauliche Raumgefüge an sich, die dem Künstler als Ausgangspunkt seiner Interventionen dienen, sondern vielmehr jene atmosphärischen und charakteristischen Eigenschaften, die durch das Zusammenspiel von Raum und dessen Nutzung durch den Menschen entstehen.

Ausgangsmoment ist ein fotografisch-enzyklopädisches Sammeln und Archivieren von anonymen Farbanstrichen, Objekten und Räumen, die ihm auf seinem Weg begegnen. Mayr beobachtet Orte mit dem Blick eines Spurenlesers, der Vorhandenes, Vergangenes, Nützliches und vordergründig Nutzloses aufnimmt, um diese Parameter in seine künstlerischen Raumeingriffe zu verwandeln, zu integrieren. „In der konkreten künstlerischen Arbeit geht es nicht mehr um das isolierte gewichtige Objekt, sondern um den Eigensinn der Dinge, der sich aus einem Zusammenhang herauslösen oder besser herauslesen lässt. Du näherst Dich einem Ort über seine Erscheinung. Das wirkt wie eine phänomenologische Annäherung, die das Räumliche nicht als abstrakte geometrisch-physikalische Größe erschließt, sondern vorgängig erst einmal über den ‚Ort‘ an sich. Ort im Heideggerschen Sinn als lebensweltlich eingerichtete Dimension, als gelebter Raum, als Raumempfinden bzw. als Atmosphäre.“ charakterisiert Mayr seine Arbeit.

Vorhandene Ressourcen, Farben und Materialien sind die Zutaten, aus denen der Künstler den status quo durch seine Eingriffe ergänzt und damit seine charakterliche und funktionelle Gegebenheiten transformiert, überzeichnet und erweitert. Seine Interventionen entstehen sowohl in der Natur als auch im öffentlichen Raum, im privaten Auftragsbereich und häufig als architekturbezogene Projekte als „Kunst am Bau“. 

 

Manfred Alois Mayr (*1952), Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien. Arbeitsaufenthalte in Berlin und Spanien. Von 1977 bis 1981 folgte Mayer einem Lehrauftrag an der Akademie der bildenden Künste in Wien. 

www.manfredaloismayr.com


Rückblick:
Ein wunderbarer Vortrag, der einen ungewöhnlichen, tiefsinnigen und poetischen Blick auf die Dinge vermittelt hat. Inspiration für uns GestalerInnen, die Dinge neu und anders zu betrachten und bei jeder Aufgabe die Substanz, die Geschichte(n), die Menschen hinter dem vordergründigen Auftrag im Auge zu behalten. Danke Manfred!


Fotos: Thomas Schrott




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