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Gustav E. Sonnewend

Aufarbeitung des Nachlasses und Ausstellung im WEI SRAUMforum

2016 hat WEI SRAUM, gemeinsam mit der Designforscherin Anita Kern, den Nachlass des Tiroler Grafikers Gustav E. Sonnewends aufgearbeitet und davon ausgehend die Ausstellung "Zwischen Misthaufen und Himmelreich" im  WEI SRAUMforum gestaltet. Sonnewend prägte die visuelle Landschaft Tirols von der Zwischenkriegszeit bis in die 1980er Jahre.

In einem Interview beschreibt Gustav E. Sonnewend sein Gefühl, als er in den 1960er Jahren im Zuge einer Arbeit nach Basel kam und dort der modernen, später weltweit zum Vorbild gewordenen Schweizer Grafik begegnete: Es war, als ob er „vom Misthaufen ins Himmelreich“ gekommen wäre – von provinziell-konservativer Heimat-Illustration zur klaren Sachlichkeit des Internationalen Stils. Diese Erfahrung hat ihn geprägt und macht ihn zu einem jener Grafiker Tirols, die die grafische Moderne mit ins Land brachten. Weltweit bekannt ist sein Logo für die SOS-Kinderdörfer.

Im Feber 2017 ist Gustav Sonnewend im 91. Lebensjahr verstorben. Ein Nachruf findet sich hier.

 

Gustav Sonnewend zählt zu den klassischen Gebrauchsgrafikern des Landes von der Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre. Er entwarf eine Fülle von Logos, Plakaten, Prospekten, Büchern und Buchumschlägen für Kunst, Kirche, Sport und Verlagswesen. Stilistisch von Arthur Zelger beeinflusst, in dessen Atelier er vier Jahre Mitarbeiter war (1954–1958), steht sein Werk für jene Ästhetik, die – in Form und Inhalt – mehr mit Ernst und Würde arbeitet als mit Humor und Nonchalance.

Dieses Bild wird auch durch seine zahlreichen Arbeiten für kirchliche Organisationen belegt. „Gestaltung mit Haltung“ war ihm ein Anliegen, die stimmigen grafischen Lösungen sind Folgen der inneren Überzeugung des Gestalters und waren im streng konservativen Nachkriegsösterreich durchaus politisch zu verstehen. Das katholische Tirol fürchtete eine Liberalisierung der Gesellschaft durch den Einfluß der – ohnehin „sittlichen“ – USA der 1950er Jahre. So gestaltete Sonnewend etwa zahlreiche Ausgaben der „Katholischen Wandzeitung“, die die „Werte“ im Denken und Handeln der Bevölkerung zu beeinflussen suchte. Insbesondere Jugendliche sollten vom „den niederen Teil des Wesens“ ansprechenden modernen Lebensstil der frühen 1960er Jahre mit Kino und Schlagermusik, der bis nach Tirol strahlte, abgeschirmt werden. Trotz der fundamental konservativen Inhalte im Sinne der „Schmutz- und Schund“-Gesetzgebung der 1950er Jahre sind die plakativen Arbeiten Sonnewends in modernem Duktus gestaltet.

Der Zugang zu sachlich-reduziertem, funktionalistischem, modernem Grafikdesign ereilte ihn ab 1965 bei Besuchen in Basel im Rahmen seiner Beauftragung mit Messeständen der Schweizer Handelskammer in Wien. Sonnewends Gestaltung, insbesondere sein typografischer Stil, gab den Publikationen des Tyrolia Verlags ein modernes Gesicht: 22 Jahre lang, von 1967 bis zu seinem Ruhestand 1989 gestaltete er neben Umschlägen für Kunst- und Geschichtebücher eine Buchreihe mit über 100 Bänden religiöser Thematik, die zum Modernsten gehört, das die visuelle Kommunikation in Tirol zu jener Zeit zu bieten hatte. Ikonen seines grafischen Schaffens blieben neben dem SOS-Kinderdorf-Logo sein Signet für die Arge Alp und das Plakat für die Innsbrucker Messe 1957 sowie sein unverwirklicht gebliebener Entwurf für die Olympischen Winterspiele 1964.


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